24.06.2026

Nachhaltigkeit mit System: ISCC PLUS Zertifizierung

Die Anforderungen an nachhaltige Lösungen in der Industrie steigen kontinuierlich. Sowohl durch regulatorische Vorgaben als auch durch das wachsende Umweltbewusstsein von Kunden und Märkten. Mit der angestrebten ISCC PLUS Zertifizierung macht IGP Powder Coatings einen wichtigen Schritt, um nachhaltige Rohstoffe transparent und regelkonform zu integrieren. Im nachfolgenden Interview erklären IGP Fachleute, welche Chancen sich für Produkte und Märkte ergeben, was die Zertifizierung bedeutet und welchen konkreten Mehrwert sie den Kunden bringt.

Bildlegende: Cornelia Tannheimer im Gespräch mit den IGP Fachleuten Birte Stocker und Marcel Perret über die Vorteile der ISCC PLUS Zertifizierung. Von links nach rechts: Marcel Perret (IGP Safety Officer & Quality Management Expert), Birte Stocker (IGP Product Manager Architecture),
Cornelia Tannheimer (IGP Corporate Communications Manager).

 

ISCC steht für „International Sustainability and Carbon Certification" und wurde 2010 als Multi-Stakeholder-Initiative gegründet. Das weltweit anerkannte und freiwillige Zertifizierungssystem fördert transparente und nachhaltige Lieferketten sowie die Kreislauf- und Bioökonomie.

IGP Powder Coatings strebt die ISCC PLUS Zertifizierung an, um bio-basierte und bio-zirkuläre Rohstoffe regelkonform und rückverfolgbar in Pulverlacken einsetzen zu können. Nach erfolgter Zertifizierung stellen jährliche unabhängige Audits die Einhaltung aller Prozesse, die vollständige Dokumentation und die Rückverfolgbarkeit der Materialflüsse sicher.

Nachgefragt – Antworten aus erster Hand

Im nachfolgenden Interview befragt Cornelia Tannheimer (IGP Corporate Communications Manager) die Fachleute Birte Stocker (IGP Product Manager Architecture) und Marcel Perret (IGP Safety Officer & Quality Management Expert) zu den Chancen der Zertifizierung für Produkte, Märkte und Kunden.

 

Cornelia Tannheimer (CT): Was bedeutet die ISCC PLUS Zertifizierung für IGP?

Marcel Perret (MP): «Mit der angestrebten ISCC PLUS‑Zertifizierung schaffen wir die Grundlage, alternative nachhaltige Rohstoffe über einen Massenbilanzansatz transparent, rückverfolgbar und regelkonform in unsere Produkte zu integrieren. So können wir fossile Rohstoffe schrittweise ersetzen, leisten einen aktiven Beitrag zur Bioökonomie und unterstützen die Reduktion von CO₂‑Emissionen entlang der Wertschöpfungskette.»

CT: Welche Garantien oder Nachweise liefert die Zertifizierung konkret?

MP: «Die ISCC PLUS Zertifizierung bestätigt die korrekte Anwendung und lückenlose Dokumentation des Massenbilanzansatzes sowie die Einhaltung aller relevanten System- und Prozessvorgaben. Dies wird im Rahmen jährlicher, unabhängiger Audits durch akkreditierte Zertifizierungsstellen überprüft. Auf diese Weise werden Nachhaltigkeitsaussagen transparent, glaubwürdig und regelkonform abgesichert.»

CT: Was zeichnet Produkte aus, die massenbilanzierte Rohstoffe über die ISCC PLUS Zertifizierung integrieren?

Birte Stocker (BS): «Diese Produkte basieren auf Polyesterharzen, denen über den Massenbilanzansatz ein hoher Teil bio-basierter und bio-zirkulärer Rohstoffe zugeordnet ist. Damit ersetzen wir entlang der Wertschöpfungskette einen signifikanten Anteil erdölbasierter Ressourcen und reduzieren den CO2-Fussabdruck des Pulverlacks deutlich.»

CT: Wie stellt IGP sicher, dass Nachhaltigkeit entlang der gesamten Lieferkette eingehalten wird?

BS: «IGP stellt die konsequente Einhaltung von Nachhaltigkeitsanforderungen entlang der gesamten Lieferkette über die ISCC PLUS Zertifizierung sicher. Diese gewährleistet vollständige Transparenz und Rückverfolgbarkeit der gesamten Wertschöpfungskette, unter anderem durch den anerkannten Massenbilanzansatz sowie durch verbindliche Nachhaltigkeitserklärungen aller beteiligten Partner. Gleichzeitig verhindert das zertifizierte System zuverlässig sogenanntes Double Claiming (doppelte Inanspruchnahme), also die mehrfache Vermarktung derselben nachhaltigen Rohstoffe innerhalb der Lieferkette, und stellt so die Glaubwürdigkeit und Integrität unserer Nachhaltigkeitsleistungen sicher.»

CT: Für welche Branchen oder Anwendungen sind Produkte mit massenbilanzierten Rohstoffen besonders interessant?

BS: Hauptsächlich für Branchen mit hohen Nachhaltigkeitsanforderungen. Dazu zählen vor allem die Architektur- und Bauindustrie, etwa im Bereich von Fassaden sowie Fenster- und Türsystemen. Überall dort, wo langlebige Pulverlacke mit reduziertem CO2-Fussabdruck, verlässlicher Performance und einem zertifizierten Beitrag zur Bioökonomie gefragt sind, bieten solche Produkte einen klaren Mehrwert.

CT: Wie wird sich das Angebot an nachhaltigen Lösungen bei IGP weiterentwickeln?

BS: «IGP entwickelt das Angebot kontinuierlich und im Einklang mit der definierten Portfoliostrategie weiter. Zentrale Bausteine sind dabei unter anderem die konsequente Umsetzung der Niedrigtemperaturtechnologie, Einbindung nachhaltiger Rohstoffe über das Massenbilanzverfahren sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung PFAS‑freier Pulverlacklösungen.»